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Irma Krauß - Freie Autorin vorwiegend im Bereich Kinder- und Jugendbücher
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Jule-Geschichten, Das Blaubeermonster




Das Blaubeermonster

   Im Flur gibt es eine Garderobe für die Großen und eine für die Kleinen. Die Kindergarderobe hat Papa eigens für Jule gebastelt. Zwei rote Haken rechts und zwei grüne Haken links, dazwischen hängt der Spiegel, der ist so groß wie Jule.
   Im Spiegel steht das Blaubeermonster und glotzt Jule an. Es muss sich hereingeschlichen haben, als gerade niemand aufpasste. Es sieht fürchterlich aus. Mit ganz großen Augen und bösen, schwarzen Lippen. Es reißt seinen Mund auf und bleckt seine hässlichen Zähne. Sogar seine Zunge ist schwarz – sie ist riesig, eine schwarze Riesenzunge in einem schwarzen Maul, und das Blaubeermonster streckt sie weit heraus.
   Jule packt vor Grausen die Jacken rechts und links und zieht sie über dem Spiegel zusammen. Jetzt ist das Monster verschwunden. Aber es lauert wohl noch. Sie nimmt die Jacken ein bisschen auseinander – tatsächlich, da ist es.
   „Maaaaama ...!”, haucht Jule. Aber fast  lautlos, um das Monster nicht zu reizen. Das hat sein schwarzes Maul offen, und falls Jule auch nur einen Mucks macht, wird es sie fressen. Sie zittert mal zur Probe. Oje – das Monster bewegt sich schon, gleich kommt es heraus! Jule drückt die Augen zu. Ob es wohl weggegangen ist? Sie blinzelt ein ganz klein wenig – aber nein, es lauert schon wieder.
   „Jule?”, ruft Mama aus der Küche. „Ich hab noch Blaubeerpudding übrig – willst du?”
   Jule flüstert dem Monster zu: „Geh nicht weg, ich komme zurück!” Sie lässt die Jacken los und sieht eben noch, wie sich das Monster umdreht und zu laufen anfängt. An der Küchentür guckt sie nach hinten – niemand ist im Flur. Wahrscheinlich ist das Monster in den Spiegel zurückgeschlüpft und wartet dort. Und sieht noch schlimmer aus als zuvor ...
   Die Blaubeerpuddingschüssel steht auf dem Tisch, es ist noch ein Rest darin. Die Schälchen steckt Mama gerade in den Geschirrspüler. „Du kannst den großen Löffel nehmen, wenn du willst”, sagt sie.
   Jule leckt den großen Löffel ab. Dann fährt sie mit der Zunge durch die Schüssel. Und mit der Nase auch. Ihre Haare kleben am Schüsselrand fest.
   „Jule! Du Ferkel!”, schimpft Mama und nimmt ihr die Schüssel weg. „Jetzt kannst du gleich in die Badewanne!”
   „Später”, sagt Jule eilig.
   „Stop! – Jule! Wo willst du hin?”
   Doch Jule ist schon um die Ecke. Sie läuft zur Garderobe.
Das Blaubeermonster steht im Spiegel und glotzt sie an, noch viel, viel gruseliger als vorher.




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